Einer meiner größten Reisewünsche waren Island und Grönland. Schon aus Kostengründen war früher vieles für mich nicht erfüllbar. Auf Grund meiner diversen Sparpläne, konnte ich, wenn auch nur zu den Billigpreisen, wo man auf jeden Komfort verzichten musste, manche Reise doch verwirklichen. Vorher hatte ich meine Sehnsucht eher geweckt denn gestillt, als ich das Buch „Islandsommer“ von Matthias Koglbauer las. (Nach Grönland wollte ich immer nur „einen Blick“ , also Ausflug machen, was mir aber aus finanziellen und zeitlichen Gründen ab Reykjavik nicht gelang. Auch das Wetter hätte mitspielen müssen). Nach Island ging es von Wien - dieses Mal ohne jede Begleitung - mit dem Bus zum Salzburger Flughafen Maxglan. Von dort Flug mit der „Icelandair“ nach Keflavik, dem internationalen Flughafen Islands. Bei strömendem Regen fuhren wir nach Hella. Ich hatte ein Einzelzimmer im „Gistihus Mosfell“ gebucht. Die Ausflüge von hier waren einmalig. Zuerst fuhren wir zum Gullfoss oder „Goldenen Wasserfall“. Unweit davon im Haukadalur faszinierten mich das beachtliche Sinterbecken des ehemals Großen Geysirs oder Stori-Geysir, nach dem alle anderen heißen Springquellen der Welt als Geysir bezeichnet werden. In der Zeit seiner Tätigkeit waren Eruptionen bis zu 60 Meter Höhe möglich. Vor allem der Geysir Strokkur (das „Butterfass“), der alle fünf Minuten seine Wassersäule bis zu 20 Meter in die Höhe schleudert, beeindruckte mich. Vorbei am Laugarvatn fuhren wir in den Nationalpark Thingvellir, wo auf einem Lavafeld im Jahre 930 das älteste noch bestehende Parlament der Erde gegründet wurde. Auf der Fahrt entlang der Südküste, an Wasserfällen, wie den Seljalandsfoss und dem mächtigen Skogafoss, vorbei, gelangten wir zur Südspitze Islands, zum Kap Dyrholaey. Es regnete zwar leicht, doch beobachtete ich in den steilen Klippen unzählige Seevögel. An meine Lieblingsvögel, die „Papageitaucher“, wagte ich mich mit meiner Kamera ganz nahe heran, um sie zu filmen. Am vierten Tag ging es an der Hekla vorbei über den Landmannaleid in die farbenprächtige Welt der Landmannalaugar, wo Liparit- und Rhyolithberge gelb, weiß, rot und grünlich schimmern. Unser nächster Ausflug führte uns auf einer abenteuerlichen Piste in ein Tal, das inmitten dreier Gletscher versteckt liegt. Unzählige Gewässer mussten bei Furten überquert werden, um in die Thorsmörk zu gelangen. Tags darauf ging die Fahrt durch das Tal der Thjorsa zum Fuß von Islands berühmtestem Vulkan, der Hekla, die im Mittelalter als Eingang zur Hölle galt. Zum Abschluss der Südislandtour fuhren wir auf die Halbinsel Reykjanes, wo mich die Vogelfelsen, der bunte Fischereihafen von Grindavik, die Solfatarenfelder von Krisuvik und die „Blaue Lagune“, deren warmes Wasser zum Baden einlädt, begeisterte.
Am nächsten Tag, wo die meisten den Rückflug nach Österreich antraten, machte ich einen Ausflug auf die Westmänner –Inseln. Für mich, der die Süd- mit der Nordislandreise kombiniert hatte, war es ein freier Tag. Auf den Vestmannaeyjar landete ich nach einem 30-Minutenflug, über die erst 1963/64 entstandene winzige Insel Surtsey hinweg, in Heimaey. Für mich schien alles auszusehen, wie es möglicherweise schon ab Dienstag, dem 23.Jänner 1973, 01.55 Uhr, hier ausgesehen hat. Damals bebte die Insel, Fontänen von Lava schossen in die Höhe und „Erdfeuer am östlichen Stadtrand“ wurde gemeldet. Am 7.Ausbruchstag reichte die Lava bereits 900 Meter weit ins Meer hinaus. Die ursprünglich 400 Meter breite Hafeneinfahrt von Heimaey ist durch den Lavafluss heute nur 20 Meter breit. Ohne die von den Menschen gesteuerte Abkühlung mit Meerwasser gäbe es sie heute gar nicht mehr. Jedenfalls dürften bis Ende Jänner etwa 200 Häuser zerstört worden sein, von denen ich noch einige sah, die aus der erstarrten Lava herausragten. Freiwillige Helfer aus Island, Männer des Zivilschutzes, der Feuerwehr und NATO-Truppen standen damals im pausenlosen Einsatz um Asche zu beseitigen und lebensnotwendige und wertvolle Güter nach Island zu bringen. Die Insel wurde durch den Ausbruch um 2,1 Quadratkilometer größer. Der Vulkan Eldfell, der Feuerberg auf „Heimaey, hat sich noch immer nicht ganz beruhigt. Die Erdoberfläche ist warm und einige Zentimeter tiefer zum Grillen heiß. –Vom Fenster meines Privatquartiers sah ich direkt auf die Hallgrimskirche (Hallgrimskirkja), an der damals schon und noch Jahre gebaut wurde. Natürlich machte ich auch einen Rundgang durch Reykjavik. Am Nachmittag des nächsten Tages flog ich mit der neu angekommenen Gruppe von Reykjavik nach Husavik, dem neuen Stützpunkt. Die Fahrt zum Myvatn oder Mückensee brachte uns in eines der faszinierendsten Gebiete Islands, das nicht nur mich durch seine Vielfalt an vulkanischen Erscheinungsformen begeisterte. Unsere Reiseleiterin war eine Isländerin, die alles genau auf Deutsch erklärte und mit der ich auch mit der Videokamera ein Interview aufnahm. In des „Teufels Küche“ kamen wir bei den Schlammvulkanen von Namaskard. Gesteigert wurde dieser Eindruck bei mir noch bei der Krafla-Leirhnukur-Spalte. Dann folgte ein gemütlicher Tag im Laxa-Tal. Von Husavik aus fuhren wir nordwärts auf die Spitze der Halbinsel Tjörnes, weiter nach Asbyrgi und in den Nationalpark Jökulsargljufur mit seinen vielen Wasserfällen, von denen der Dettifoss, der mächtigste Wasserfall Europas, über 40 Meter tief in einen gewaltigen Canyon stürzt. Weiter fuhren wir zu den Basaltfelsen von Hljodaklettar, wo in einer teils wilden, teils idyllischen Landschaft Vulkanschlote aufragen, die der Fluss freigewaschen hatte. -
Wir erreichten, von Husavik ausgehend, den Godafoss, einem der schönsten Wasserfälle Nordislands, und die „Hauptstadt des Nordens“, Akureyri. Dann ging es über Öxnadalsheidi zunächst nach Bolstadarhlid, wo die Hochlandpiste Kjölur abzweigt. Ab da hatten wir einen Reiseleiter mit einer furchtbaren Aussprache, den man nicht verstand. Auf der Kjölur-Piste trafen wir auf die heißen Quellen von Hveravellir, fuhren zwischen den riesigen Eismassen des Langjökull und des Hofsjökull durch Sand- und Lavawüsten in den Süden des Landes. Nach einem kurzen Stopp beim Gulfoss ging es schließlich zurück nach Reykjavik......
Ich gestehe, immer gelingt es mir nicht, einen kurzen Bericht über eine Reise zu erstellen.
Aus „Ein Leben lang – Standort Wien“
368 Seiten Format 13,5 x 21,5 cm ISBN 978-3-85022-452-9 € (A) 21,90 € (D) 21,30 sFr 37,40
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