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12.01.2010
AutorIn: franzdungl
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Ostanatolien



Die asiatische Türkei, auch Kleinasien oder Anatolien genannt, wird auf ihrer ganzen Breite von zwei Kettengebirgsgürteln durchzogen, dem Pontischen Gebirge im Norden und dem Taurusgebirge im Süden. Im Osten des Landes treffen die beiden Gebirgszüge zusammen und machen dadurch Ostanatolien unzugänglicher als die Westtürkei. Zwischen den beiden Gebirgen liegt das anatolische Hochland mit einer Durchschnittshöhe von 1000 Meter, das von Flusstälern durchzogen und von Vulkankegeln unterbrochen wird. Es war meine erste Reise mit dem sogenannten „Schlafmobil“, das ein etwas besseres Schlafen und Unterbringung des Koffers und sonstiger Reiseutensilien ermöglichte, als bei den Rotel-Reisen. Doch dann ging es um den Partner in den Zweibettkabinen, davon ein Stockbett. Leider hatte ich noch immer Beschwerden mit meinen durch den Deckplatteneinbruch geschädigten Wirbeln und hoffte, das untere Bett zu erhalten. Der mir schließlich „zugeteilte“ Partner war ein jüngerer, aber wie man zu sagen pflegt ganz schön „bedienter“ ehemaliger Seefahrer, der auch nur mit einem Seesack reiste. Also biss ich in den sauren Apfel und ging nach oben. Obwohl der Osten der Türkei zu den abenteuerlichsten Gebieten der Erde zählt, bereue ich bis heute nicht, diese Reise. Ein AUA-Flug brachte uns nach Istanbul. Nachdem wir die Schlafkabinen bezogen hatten, fuhren wir über die Bosporusbrücke, verließen den europäischen Kontinent und waren in Asien. Über Susuzkoy, Hattusa, wo ich von einem Aufseher gehindert wurde, das Felsheiligtum Yazilikaya (um 1250 v.Chr. entstanden) zu filmen, über Samsun, entlang der Schwarzmeerküste, erreichten wir Trabzon, wo wir die „Kleine Hagia Sophia“ , das bedeutendste Kulturdenkmal der Stadt, besichtigten. Dann ging es über das Pontische Gebirge mit mehr als 2000 Meter hohen Pässen nach Erzurum. Wir folgten alten Karawanenwegen in den Vorkaukasus nach Kars und besichtigten die armenischen Ruinenstadt Ani, die Stadt der 100 Kirchen, die direkt an der russischen Grenze liegt. Aus der Ebene von Igdir in 1200 m Höhe war uns kein Blick auf den „Agri Dagi“, dem heiligen Berg Ararat (5165 m) gewährt, da er wolkenverhangen war. Seit mehr als 100 Jahren wird hier nach Resten der biblischen Arche Noah gesucht. Eingehend besichtigten wir in Dogubayazit den Ishak-Pascha-Palast, den ein kurdischer Fürst um 1700 errichten ließ. Über Agri erreichten wir den Van-See, der mit 3764 Quadratkilometer siebenmal so groß wie der Bodensee ist. Wir machten einen Bootsausflug zur Insel Achtamar mit seiner Heiligen-Kreuz-Kirche aus dem 10. Jahrhundert. Vorbei am Nemrut Dagi II, einem erloschenen Vulkan mit Kraterseen in 3000 m Höhe, kamen wir nach Diyarbakir, wo wir unter anderem eine armenische Kirche besichtigten. Dann folgte die Auffahrt in die Gebirgswelt des Antitaurus zum Nemrut Dagi, wo sich ein Heiligtum und das Grabmal (Hierothesion) des Kommageneherrschers, König Antiochos I., in Höhe von 2100 m (mit 50 m hohem Grabhügel) befindet. Das Hierothesion liegt im Inneren des Tumulus. Zu Füßen des künstlich aufgeschütteten Hügels legte man drei Terrassen an, von denen die Ost- und die Westterrasse mit jeweils gleichen Kolossalstatuen geschmückt waren. Der König war flankiert von den hellenistischen und iranischen Gottheiten wie von Zeus (Oromasdes), Apollo (Mithras), Tyche (griechische Göttin des Glücks und Zufalls, gleichgesetzt mit Fortuna), Herakles (Artagnes), von der Landesmutter Kommagene und von den Wappentieren Adler und Löwe. Neben einer imposanten Löwenskulptur sind heute nur mehr die übrig gebliebenen Gigantenköpfe dieser einstmals monumentalen Statuen aufgestellt. Auf dem Prozessionsweg mit drei Stationen, der einst zum Heiligtum führte, sind Reste eines Reliefs mit einer Begrüßungsszene zwischen König Mithradates und Gott Herakles (mit Keule und Löwenfell) zu sehen. - Danach machten wir über Urfa (Edessa) einen Ausflug zum biblischen Ort Harran (Altinbasak), wo einst Abraham und seine Frau Sarah lebte. Hier gab es auch die aus Lehm wabenförmig gebauten Trulli-Häuser und den Birket Ibrahim (heiligen Karpfenteich). Nun ging es quer durch das anatolische Hochland, am ehemaligen Vulkan Eciyas Dagi (3916 m) südlich von Kayseri vorbei, nach Nevsehir. Von hier aus besuchten wir die unterirdische Stadt Kaymakli, fuhren ins Tal von Göreme und Zelve. Der inzwischen erloschene Vulkan Erciyas Dagi schuf einst durch die Ablagerung von riesigen Aschenschichten die Voraussetzung zur Entstehung des Erdpyramiden- und Höhlengebietes von Göreme. Erstaunt betrachteten wir die Höhlenwohnungen und Höhlenkirchen in skurrilen Tuffsteinkegeln. Im gesamten Gebiet von Kappadokien kann man noch wunderbar erhaltene Höhlenfresken finden. Meine Bilder erzählen davon mehr. – Unser nächstes Ziel war Ankara, das wir mit der Fahrt durch die Ebene des zentralanatolischen Hochlandes, vorbei an ehemaligen Karawansereien und dem Tuz Gölü, einem Salzsee, erreichten. Wegen eines „Reifenplatzers“ links hinten und Abriss des Luftdruck-Bremsenkabels musste das beabsichtigte Lagerfeuer mit Übernachtung in der „Wildnis“ abgesagt werden. Am 15. Tag unserer Reise erreichten wir Istanbul. Selbstverständlich stand die Hagia Sophia, die zweifellos das berühmteste Bauwerk der Türkei ist, die Sultan-Ahmet-Moschee (Blaue Moschee), Topkapi-Serail, Moschee Suleymans des Prächtigen, der „Ägyptischer Bazar“, die Galata-Brücke und vieles andere auf unserem Besichtigungsprogramm. Doch alles geht einmal zu Ende und so erfolgte unsere Heimreise durch Thrakien nach Edirne, dem ehemaligen Adrianopel, wo wir unbedingt noch die Selim-Moschee, das Meisterwerk des genialen Baumeisters Sinan aus dem 16. Jahrhundert besichtigen mussten. Ungeachtet der beabsichtigten Berichtskürze muss ich noch erwähnen, dass die 45 m hohe Kuppel die Hagia Sophia in Istanbul übertrifft. Die weitere Rückreise ging quer durch Bulgarien und dem ehemaligen Jugoslawien.

Aus „Ein Leben lang – Standort Wien“

368 Seiten
Format 13,5 x 21,5 cm
ISBN 978-3-85022-452-9
€ (A) 21,90
€ (D) 21,30
sFr 37,40

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