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27.05.2010
Von: Franz G
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Frosch & Friseur. Die 7. Story

Es war einmal, wie so üblich bei Froschgeschichten, ein Friseur. Der hatte einen Laden, und davor - jetzt kommt er - stand ein Frosch. So etwas hatte er noch nie gesehen, und er fand es faszinierend, wie ganz normale Leute zur Tür hineingingen, unter Wasser gesetzt wurden und dabei ziemlich blöde aussahen, wie dann an ihnen herumgefummelt wurde, und wie sie hinterher aussahen wie Hochglanzfotos. Lackiert und fremd und unwirklich.

Also das wollte unser Frosch natürlich genauer wissen, und so fasste er sich ein Herz und wartete, bis die Tür zu Lüftungszwecken offen stand. Dann hüpfte er hinein.

"Haben Sie einen Termin?" fragte der Friseur. "Nööö", antwortete der Frosch. Der Friseur setzte eine zweifelnde Miene auf, druckste ein bisschen herum, blätterte in seinem abgegriffenen, eselsbeohrten Kalender, betrachtete den Frosch und beschloss dann, seine Zigarettenpause sausen zu lassen. "Nehmen Sie Platz", sagte er und drehte den braunen Sessel auf den Frosch zu.

Der hüpfte hinauf. Alsbald wurde ihm eine Binde aus Krepppapier um den Hals geschlungen. Dann schwenkte der Friseur, elegant wie ein Torero die Muleta, einen schon leicht angegilbten Umhang um den Frosch und bändelte ihn hinten fest. "Was darf es sein?" fragte der Friseur, Blickkontakt im Spiegel suchend.

"Na ja", sagte der Frosch. Er hatte keine Ahnung, natürlich. "Das Übliche?"

"Sehr gut", sagte der Friseur und seufzte ganz leise. Mehr innerlich. Unhörbar. "Nicht zu kurz?"

"Bitte", sagte der Frosch.

Die Schere klapperte rund um die Ohren, zwischen den Ohren, im Nacken, über der Stirn, einfach so, klapp klapp, in der Luft. Wo sonst? Bekanntlich haben Frösche keine Haare, oder?

Nach wenigen Minuten war es geschafft. Der Friseur legte die Schere weg und nahm ein Rasiermesser. Der Frosch bekam dicke Augen: Und jetzt?

Keine Panik. Der Friseur wusste doch, was er tat. Er rasierte den Nacken aus, und der Frosch dachte, was für ein seltsames Gefühl, so einen kalten Stahl im Genick zu haben. Unangenehm und wieder doch nicht.

Der Friseur stöpselte den Föhn ein und drückte auf den Schalter. Welch ein ohrenbetäubender Krach! Dem Frosch passte das gar nicht. Es war ihm ausserdem zu heiss und viel zu trocken. Er verzog das Gesicht, und der Friseur sah das und schaltete ab. "Danke", sagte der Frosch erleichtert. "Ich glaube, das reicht."

"Wie der Herr meinen", sagte der Friseur, löste den Knoten des Umhangs, riss die Halskrause auf, bürstete den Frosch sorgsam, fast zärtlich mit einem feinen Pinsel ab. "So", sagte er zufrieden, nahm einen Spiegel vom Haken und liess den Frosch sich von hinten betrachten. Der hatte das noch nie gesehen und sagte daher nur: "Hmm."

"Vielen Dank", sagte der Friseur und drehte den Sessel um 110 Grad nach links. Es können auch 112 gewesen sein. Der Frosch hüpfte hinunter, ein bisschen schwindlig im Kopf. Das also passierte beim Friseur? Komische Sache.

"Das macht 47 Franken, der Herr", sagte der Friseur und tippte den Betrag in seine Kasse ein.

"Hier bitte", sagte der Frosch und streckte dem Friseur die leere Hand hin. "Der Rest ist für Sie."

"Na hören Sie mal", sagte der Friseur verdutzt und verstand nicht recht.

"Wenn Sie Haare schneiden können, die es nicht gibt, dann kann ich doch auch mit Geld bezahlen, das es nicht gibt. Fair ist fair, oder?"

Und während der Friseur noch überlegte, ob er wütend werden sollte oder nicht, hüpfte der Frosch aus dem Laden, mit einem fröhlichen "Guten Tag!" auf den Lippen. Und dem guten Gefühl, ein ganz neuer Frosch zu sein.

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