Bei Oma Frosch wusste man nie so genau, ob sie Alzheimer hatte, Märchen erzählte, Seemannsgarn strickte oder schlicht log. Gerade eben hatte sie vollmundig behauptet, dass früher ("als ich so alt war wie ihr") auf den Bergstrecken der Schweizerischen Alpenbahnen immer Einheimische vorn auf der Lok mitgefahren waren, die statt zu tuten auf dem Alphorn geblasen hätten. Das wäre besonders schön gewesen, wenn sich zwei Züge begegnet wären, denn dann hätten sie zweistimmige Harmonien geblasen. Allerliebst. Vor allem im Tunnel.
Die kleinen Fröschlein hingen aufmerksam an Froschomas Lippen. Was sie alles wusste! "Aber heutzutage", klagte die Oma, "ist ja alles anders."
"Wie ist es denn?" fragte Frollunde eifrig.
Oma Frosch hatte die schöne Froschgeschichte Tröt! (von fan) gelesen und wusste daher, was eine Vuvuzela ist. "Heute", sagte sie, "ist es so: Der Frosch, der mit der Vuvuzela so weit gehopst ist wie noch nie in seinem Leben, wollte das unbedingt nochmal haben. Also besorgte er sich so eine Tröte, erwischte beim Versuch, hineinzukriechen, aber das falsche Ende. Ins Mundstück passte er nicht hinein, so sehr er sich auch bemühte. Als er enttäuscht aufgeben wollte und pfffffft! machte, kam ein lautes Tröööööööt! aus dem anderen Ende."
"Wirklich?" fragte Frollunde, immer noch eifrig.
"Wenn ich es dir doch sage", quakte die Froschoma, ein bisschen unwillig, weil sie es nicht gern hatte, wenn ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wurde.
"Und dann?"
"Dann hörte der Fahrplanplaner das Tröten und dachte: Da können wir mal wieder was einsparen. Und er machte eine Eingabe, und nach gehöriger Erörterung wurden die Alphornbläser durch Frösche mit Vuvzelas ersetzt."
"Toll!" staunten die kleinen Frösche. "Ich möchte auch mal Loktröter werden!"
"Ja", sagte die Oma. "Da sieht man die Welt und macht Musik. Und wenn man Glück hat, darf man sogar bei einer Weltmeisterschaft auftreten."
"Ja", sagte Frollunde. "Und wir können uns gegenseitig durch die Luft tröten, ganz hoch, ganz schnell, ganz weit."
"Genau", sagte die Oma. "Und dann machen wir eine Froscholympiade, bauen ein Stadion, verkaufen die Rechte ans Fernsehen, werden reich, und die Leute sehen, wie toll wir Frösche sind."
Die Froschoma wusste, dass jetzt allmählich eine Pointe fällig wäre. Aber weil ihr partout keine einfallen wollte, schickte sie die Froschkinder ins Bett.
(decrescendo)
"Ach ja", seufzte Frollunde. "Wenn ich nur schon gross wäre!"
"Sei still jetzt und schlaf! Und träum von der Tröte. Aber leise! Sonst weckst du die anderen auf."
(perdendosi)
"Ja, Oma. Gute Nacht!"
"Gute Nacht. Quak!"
(fermata) |