Von John Steinbeck
1936 beauftragte die Zeitung San Francisco News John Steinbeck, Recherchen über die Lage der völlig verarmten, entwurzelten Wanderarbeiter aus Oklahoma anzustellen, die in Massen ins vermeintlich gelobte Land Kalifornien strömten. Die Weltwirtschaftskrise, gefolgt von verheerenden Dürren hatten die "Okies" gezwungen, ihre Familienfarmen zu verlassen. Angelockt durch Gerüchte und teilweise bewusst ausgestreute falsche Arbeitsangebote machten sich Hunderttausende auf den Weg nach Westen, um dort ihr Glück zu machen.
Steinbeck schildet dieses Massenelend am Schicksal der Familie Joad, die eine kleine Farm in Oklahoma bewirtschaftet. Nach mehreren Missernten aufgrund der Dürre kann sie ihre Pachtzinsen nicht mehr bezahlen. Sie müssen ihr Land verlassen und machen sich auf den Weg nach Kalifornien. Auf Handzetteln war ihnen dort gut bezahlte Arbeit in Aussicht gestellt worden. So laden sie ihr letztes Hab und Gut auf einen gebrauchten, kaum fahrtüchtigen Lastwagen und fahren los: Eltern, Grosseltern, die erwachsenen Söhne Tom (der gerade zur Bewährung aus dem Gefängnis entlassen worden ist), Al und Noah, die Kinder Ruthie und Winfield, die schwangere Tochter Rose of Sharon mit ihrem Mann Connie sowie der Wanderprediger Jim Casy. Obwohl die Mutter immer wieder versucht, ein Auseinanderbrechen der Familie zu verhindern, laufen Noah und Connie davon. Die Grosseltern sterben, noch bevor sie in Kalifornien angekommen sind.
Statt der verheissenen gutbezahlten Arbeit findet sich die Familie Joad wie Tausende von Schicksalsgenossen in desolaten Verhältnissen wieder. Es gibt kaum Arbeit, und durch das Überangebot an hungernden Arbeitskräften kommt es zu heftigen Konflikten. Erst als sie in einem Migrantenlager aufgenommen werden, das unter disziplinierter Selbstverwaltung steht, geht es ihnen für kurze Zeit besser. Sie kämpfen erbittert darum, einen Rest ihrer Menschenwürde zu erhalten. Auch organisiert sich Widerstand gegen die unverblümte Ausbeutung durch die örtlichen Grundbesitzer. Als bei einem Streik der Prediger Jim Casy von den Helfern der Grundbesitzer erschlagen wird, rächt sich Tom und ermordert einen seiner Widersacher. Um seine Familie nicht zu gefährden, verlässt er sie und widmet sich ganz dem Kampf der Migranten um ihre minimalen Existenzrechte. Rose of Sharon erleidet eine Totgeburt; in der Schlussszene gibt sie einem fremden Mann die Brust, um ihn vor dem Hungertod zu retten.
Dieser unter die Haut gehende Roman löste bei seinem Erscheinen 1939 zahlreiche und ausgesprochen heftige Kontroversen aus, vor allem von Seiten der Grundbesitzer und der politischen Rechten. Steinbeck wurde als Volksverhetzer und Klassenkämpfer gebrandmarkt, andererseits aber auch von den Unterdrückten begeistert gefeiert. 1940 wurde er von John Ford verfilmt; Henry Fonda spielte die Rolle des Tom Joad. Im gleichen Jahr erhielt John Steinbeck den Pulitzer-Preis für "Früchte des Zorns", 1962 den Nobelpreis.
ISBN 978-3-423-10474-6 Taschenbuch, 544 Seiten €11.00
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