Sonntags, wenn man in Madrid nichts Besseres zu tun hat, geht man in den Parque del Retiro. Ein riesiger Park, zu gross, als dass man sich alles auf einmal erlaufen könnte. Aber alle Welt ist hier und schaut und freut sich an der frischen Luft dieser Oase mitten im Zentrum von Madrid.
Und was es nicht alles zu sehen gibt! Der Clown, der einen freundlich begrüsst. Das Kasperletheater - der lange Dackel hat dem Kasperle alle Bratwürste weggefressen, und nun tut ihm der Bauch weh ("aie! que me duelen las triiiiiipas - ") und alle Kinder kreischen vor Vergnügen, denn Bauchweh, das kennen sie, das kommt davon, das wissen sie.
Eine Gruppe von Exil-Katalanen trifft sich jeden Sonntag hier und tanzt die Sardana, den ernsten Reigen mit der genau abgezählten Schrittfolge. Die herzzerreissend traurige Musik kommt vom Kassettenrekorder. Die Sardana war unter Franco verboten, galt sie doch als Symbol des Widerstands gegen den Diktator.
Viel fröhlicher tanzt da ein Paar im Kreis herum, er in schwarzer Jacke und weisser Hose und sie im dunkelroten Samtkleid, ein wilder Walzer - und welches Erstaunen, als sich das Paar als ein Mann entpuppt, ein einziger Strassenakrobat.
Klassische Musik am See. Ein kleines Kammerorchester steht da und spielt Mozart und Vivaldi, gegenüber vom See. Man kann Ruderboote mieten und ein bisschen herumfahren, allein, zu zweit - aber natürlich, mit der Liebsten an Bord macht es viel mehr Spass.
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