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16.09.2009
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Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika

Von John Steinbeck
Übersetzer: Burkhart Kroeber, Iris Foerster

Mit 58 Jahren, nach seinem zweiten Schlaganfall, bestellt der seit frühester Kindheit von Fernweh geplagte John Steinbeck einen Dreivierteltonner mit Aufbauten, die einer Schiffskajüte nachempfunden sind, belädt seine "Rosinante" mit viel zu viel und weitgehend überflüssigem Zeug, lässt seinen Pudel auf den Beifahrersitz klettern und fährt los. Von Long Island geht es quer über den Kontinent bis Seattle, und weil der Winter vor der Tür steht, wendet er sich nach Süden, besucht seine alte Heimat Kalifornien (und stellt fest, dass es nicht mehr seine Heimat ist), den mittleren Westen, Texas, New Orleans, die Südstaaten mit ihren damals hochvirulenten Rassenproblemen. Wir schreiben das Jahr 1960 - die Nationalgarde musste kleine schwarze Kinder schützen, wenn sie zur Schule gingen.

Nicht umsonst heisst der Untertitel dieses Buches "Auf der Suche nach Amerika". John Steinbeck hatte festgestellt, dass er im Lauf der Jahre den Kontakt zu seinen Mit-Amerikanern verloren hatte. Er wusste nicht mehr, wie sie denken, fühlen, hoffen, arbeiten, sprechen. All das wollte er im buchstäblichen Sinne erfahren, und so besuchte er 34 Staaten in 11 Wochen. Natürlich langweilt uns ein grosser Autor wie Steinbeck nicht mit einem detaillierten Reisebericht. Statt dessen bringt er die Dinge auf den Punkt, durch kleine, aufgelesene Gesprächsschnipsel, die in wenigen Worten alles sagen. Dazwischen ein paar kluge und erstaunlich weitsichtige Reflexionen - immerhin sitzt er tagelang hinter dem Steuer und hat massenhaft Zeit zum Nachdenken.

Das Buch ist gut 50 Jahre alt und trotzdem aktuell. Nicht etwa, weil sich Amerika so wenig verändert hätte. Sondern weil Steinbeck ausgesprochen einfühlsam bereits die ersten, zaghaften, kaum sichtbaren Anfänge von Entwicklungen gespürt hat, die heute so offenkundig geworden sind, dass sie jeder sieht.

Steinbeck wäre nicht Steinbeck, wenn nicht auch dieses Buch voller Mitgefühl, Menschlichkeit, Humor, Weisheit, Nachsicht und Einsicht wäre. Aber da ist auch die andere Seite - die wachsende Besorgnis über Tendenzen wie zum Beispiel die Umweltproblematik, zu einer Zeit, als es das Wort "Umwelt" noch gar nicht gab. Aber auch die Trauer über Ignoranz, Stumpfheit, Rassenhass, Kleinlichkeit, Eitelkeit und Lüge. Und wie er seinen Hund versteht und Charley ihn - das wärmt das Herz.

Wenn man die USA von heute besser verstehen will und die Menschen, die dort leben - "Die Reise mit Charley" hilft ganz sicher dabei. Ein wunderbares, herzerfrischendes, immer noch aktuelles Buch.

ISBN 978-3-423-13565-8
Taschenbuch, kartoniert/broschiert
352 S.
€9.90

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