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21.02.2011 |
Urlaub in Ägypten - Erfahrungen in einem Land mitten im Umbruch |
Wir hatten Last minute einen Urlaub in Ägypten gebucht, den Klassiker Nilkreuzfahrt mit anschließendem Badeurlaub in Hurghada am Roten Meer. Am Donnerstag hatten wir per Internet gebucht mit Abflug am darauffolgenden Sonntag und stellten am Samstag fest, dass es eine Reisewarnung für Kairo, Alexandria und Suez gab, da dort Unruhen herrschten. ![]() Während der Fahrt wurden viele Checkpoints passiert, an denen bewaffnete Posten stationiert waren. Das hat uns eigentlich nur beruhigt, denn noch vor einigen Jahren konnte man diese Straße nur mit bewaffnetem Polizeischutz befahren, wie uns gesagt wurde. In Luxor sahen wir Panzer an strategischen Punkten wie Brücken und wieder bewaffnetes Militär. Die Parteizentrale der Mubarak-Partei war zerstört, als wir sie passierten. Auffällig war, dass nur wenig Touristen zu sehen waren. ![]() Wir erreichten das Schiff, das gut bewacht war, und checkten ein. Der abendliche Ausflug nach Luxor Stadt wurde uns untersagt, da Ausgangssperre herrschte. Auf dem Schiff versicherte man uns aber, dass Touristen völlig sicher seien, da man vom Tourismus lebe und diese daher nicht angegriffen würden. So war es auch. An Bord waren zwei bewaffnete Polizisten der Touristpolice. Am anderen Tag legte das Schiff Richtung Assuan ab und wir sahen unterwegs eine Reihe von Kreuzfahrtschiffen am Ufer liegen, weil keine Touristen zu befördern waren. Auf dem Schiff waren ca. 85 Mann Personal und ca. 60 Passagiere. Zwei Gruppen hatten abgesagt. Nur wenige Schiffe kamen uns entgegen. An der Schleuse konnten wir sofort passieren, wo sonst schon mal längere Wartezeiten notwendig sind. Die Händler in den kleinen Booten freute das nicht, sie hatten kaum Zeit ihre "fliegenden" Geschäfte mit den Passagieren abzuwickeln. ![]() In Assuan wieder das gleiche Bild: bewaffnetes Militär, aber keine Unruhen. Nur zweimal sahen wir eine Demonstration, eine nur von Frauen durchgeführt. ![]() Im Bazar war Friedhofsruhe; die Händler saßen friedlich vor ihren Läden und forderten zum kaufen auf. Da aber 5 Touristen ca. 50 Händler gegenüber standen, konnte man nur noch lachen. ![]() Für uns sehr positiv war, dass alle Tempelanlagen menschenleer waren. Wo sich sonst hunderte Touristen drängen, waren wir ganz allein und konnten alles in Ruhe besichtigen. Hier ist der leere Parkplatz am Karnaktempel zu sehen. Normalerweise stehen hier hunderte Busse. ![]() Dann folgte die Rückfahrt nach Luxor auf dem Nil. Es wurde bevorzugt nachts gefahren. Am Edfu- Tempel wurde aus Sicherheitsgründen nicht gehalten, weil dort Kutschenfahrer Touristenbusse mit Steinen beworfen hatten. Die Steinewürfe galten aber nicht den Touristen, sondern die Busse hatten den Kutschenfahrern das Geschäft weggenommen. In Luxor konnten wir dann unbehelligt alles anschauen; die Ausgangssperre war aufgehoben. Zurück im Hotel wurden die Gäste immer weniger, denn es kamen keine mehr nach. Die Reiseveranstalter hatten Ägypten vorübergehend aus dem Programm genommen. So herrschte eine Art Endzeitstimmung. Kaum noch Gäste, aber diskutierende und bedrückte Angestellte, die auch nicht wussten, was morgen sein wird und sich auf Arbeitslosigkeit eingestellt hatten. Hier sind viele Kutschen in Luxor zu sehen, die auf Gäste warten und trotz niedrigster Preise keine Kundschaft finden. ![]() Dann kam die Nachricht: wir werden vorzeitig ausgeflogen. Wir waren von München gekommen und sollten nach Düsseldorf geflogen werden. Die Organisation war ziemlich chaotisch und unlogisch, aber Änderungen wurden nicht akzeptiert. Am Tag der Abreise waren noch ca. 20 Personen im Hotel, alle Liegen waren aufgestapelt und der Frühstücksraum war leer. Eine wirklich gespenstische Atmosphäre in einem Ferienhotel! ![]() Dann Fahrt zum Flughafen Hurghada. Unterwegs leere Straßen und ein "toter" Flughafen. Der sonst so geschäftige Flughafen mit vielen Abflügen und Ankünften pro Stunde hatte ein völlig leeres Flugfeld , nur unsere TUIfly Maschine stand allein auf „weiter Flur“. Der Rückflug war problemlos. Fazit: wir hoffen auf schnell sich stabilisierende Verhältnisse, damit den sehr freundlichen Angestellten im Touristenbusiness wieder Brot und Arbeit garantiert sind und wir dieses sehenswerte Land, insbesondere Kairo, wieder besuchen können. Wir wurden nie bedroht und haben diese Reise mit all den interessanten Erfahrungen nicht bereut. |








