Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Menschen und Kultur, Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist's! Reise, reise! (Wilhelm Busch)
Ich reise gern. Wenn man mich fragt, warum das so ist, weiß ich es gar nicht so genau. Also muss ich mal darüber nachdenken.
Im Bayrischen Fernsehen wird gerade „die Heimat“ so gepriesen nach dem Motto „da bin i dahoam“, „da fühl i mich sicher“, „ da kenn ich mich aus“ und andere Sprüche mehr.
Bin ich auf Reisen, kenne ich mich eben nicht aus, bin ich nicht „dahoam“ und fühle mich auch nicht sicher. Ich muss alle meine Sinne viel mehr aufmachen, muss aufmerksam und wach sein, um alles mit zu bekommen: andere Leute, andere Sitten, andere Sprache, andere Gegenden, andere Kulturen etc.
Dann erwacht meine Neugier: was machen die Leute hier, wovon leben sie, wie sprechen sie, wie gehen sie miteinander um, was macht sie zufrieden, wie erleben sie mich als Fremden, nehmen sie Kontakt auf oder bleiben sie misstrauisch, mit einem Wort: ich bin gefordert, mit allen Sinnen. Denn auch das Riechen, das Hören, das Sehen, das Anfassen, das Spüren im Sinne von Aufnehmen eines Ortes, einer Landschaft, eines Ereignisses wie z.B. das Geschehen auf einem Markt, erfordern Bereitschaft und eine weite Öffnung meinerseits und ein bewusstes Hereinlassen aller Eindrücke.
Das hat einen besonderen Reiz für mich. Ich wähle Erlebnisse aus, die ich daheim nicht habe. Ich erlebe alles Neue besonders intensiv. Ich lasse mich ein. Ich bin fremd, ich muss mich einfügen in Bestehendes, ich kenne keinen, spreche oft die Sprache nicht und kenne die Sitten und Gebräuche nicht, warum etwas so oder so geschieht.
Ich bin wie ein kleines Kind, das Neues aufnimmt und dabei oft auf das Wohlwollen der Umgebung angewiesen ist. Also ist das wie „neugeboren sein“? Ja vielleicht, zumindest ein bisschen.
Genau das habe ich daheim nicht, wo ich alles kenne, alles weiß, alles Alltag ist und meine Sicherheit daher kommt, dass ich nichts Neues befürchten muss, ich eine Art Platzhirsch bin. Eigentlich ein bisschen langweilig, da es mir wie ein Hamsterrad vorkommt: es dreht sich zwar, aber man kommt darin nicht weiter, es findet keine Entwicklung statt, nichts ist neu und aufregend.
Ich komme auch gern wieder heim, zurück in meine Welt. Aber kaum bin ich da, erwacht schon wieder der Entdeckergeist in mir; es ist wie eine Sucht. Ich suche. Nicht das Abenteuer, sondern die Chance, für alles und jeden offen zu bleiben, Neues zu erfahren.
Und das Leben, meines und anderer, zu er-leben.
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