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18.09.2009
Von: gr
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Das Rote Pferd.

Kriminalroman von Gert Richter

Angeblich sind in der Kunstgalerie Xaffiti gefälschte Grafiken des exzentrischen Malers Gala aufgetaucht. So jedenfalls berichtet der IGEL in seiner neuesten Ausgabe. Eine Katastrophe für Lucia DiCotone, der die Galerie gehört.

PR-Berater Vivaldi bekommt vom Finanzmagnat Rainer Baloney den eiligen und sehr lukrativen Auftrag, diese Hetzkampagne in den Medien zu stoppen. Aber dafür muss er zunächst einmal herausbekommen, was eigentlich dahinter steckt. Ist das "Rote Pferd", die berühmte Grafik von Gala, wirklich gefälscht? Nein, sagt Lucia DiCotone. Ja, sagt Max Wiese, der Chefredakteur des IGEL. Was stimmt?

Die Recherchen führen Vivaldi und seine allerliebste Sekretärin Debbie in das Honeymoonparadies Hawaii, und es passiert, was geschehen muss. Nur - das junge Glück kriegt sofort einen Dämpfer. Vivaldi muss allein zurück und mit leeren Händen in eine Talkshow, der sicheren Blamage entgegen. Von seinem üppigen Honorar wird er auch nicht einen Cent sehen. Und Debbie bleibt in Hawaii, bei einem fetten Rockgitarristen...

Denkt er. Aber weil Frauen oft klüger als Männer sind, nimmt Debbie die Sache in die Hände und führt alles zu einem guten, aber überraschenden Ende.

Ein spannender, fröhlicher Krimi zwischen Kunstmarkt und Hochfinanz, Hula- und Talkshow, Hamburg und Hawaii. Genau das richtige Buch für Sommer, Strand und Sonnenschirm.

ISBN 978-2-940364-07-7
Taschenbuch
252 Seiten




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Leseprobe

"Was möchten Sie trinken?" Die Stewardess schaute niemand im Besonderen an, weder Debbie noch mich.

"Ein Bier", sagte ich, und "ein Bier" sagte Debbie. Die Stewardess reichte ihr eine Bierdose samt Plastikbecher und eine Tüte Nüsschen. Und eine Papierserviette. Und dann noch einmal die gleiche Prozedur für mich.

"Zwei Aluminiumdosen, zwei Plastikbecher, zwei Papierservietten, zwei Plastiktüten - alles nur wegen zwei Glas Bier und zwanzig Gramm Erdnüssen. Schau dir das an", sagte Debbie.

"Na ja", sagte ich. "Aber was können wir tun?"

Debbie schnaufte wütend. "Aber was können wir tun? Aber was können wir tun?" äffte sie mich nach. "Ich werde dir sagen, was wir tun können. Wenn wir wieder zurück sind, können wir einen Brief an den werten Vorstand dieser werten Fluggesellschaft schreiben. Und ich tu's, verlass dich drauf!"

Sie schob ihre Erdnusstüte auf dem Klapptisch herum. "Wenn die jeden Tag zehn solcher Briefe bekämen, würden sie ganz schnell etwas ändern, wetten?"

Ich schaute aus dem Fenster. Die Landschaft sah sehr flach aus von dieser Höhe.

"Es sieht alles sehr flach aus", sagte ich.

"Logo", antwortete Debbie. "Wir sind schliesslich über Holland."

"Schreib für mich auch einen Brief", sagte ich. "Dann sind es schon zwei."

"Hätte ich sowieso gemacht", sagte Debbie und kramte nach ihrem Krimi, rückte ihr Kissen zurecht und vertiefte sich in ihr Buch.

Wie gut, dass Madame DiCotone ihre Lieferscheine so schön in Ordnung hatte. "Aber hören Sie mal, das ist doch einfach", hatte sie gesagt, als ich ihr am Telefon von meinem Fiasko mit Wiese erzählt hatte. "Wenn es weiter nichts ist? Ich habe doch den Exklusiv-Vertrieb von Gala-Grafiken! Haben Sie das vergessen?"
Um ehrlich zu sein: Ich hatte es vergessen.

"Alle Grafiken gehen direkt von Gala zu mir, und ich vertreibe sie dann. Weltweit. Ich brauche nur in meinem Computer nachzusehen, wohin diese Grafik ging - was war es noch gleich? Die 78? Ich rufe Sie in drei Minuten an."

Und das hatte sie auch getan:

"Vivaldi? Die Nummern 70 - 89 gingen an die Galerie Toast & Butter in Lahaina. Sie wissen, wo das ist?"

"Keine Ahnung", hatte ich gesagt.

"Auf Maui. Hawaii."

Komisch, hatte ich gedacht. "Wieso verkauft man Grafiken ausgerechnet nach Hawaii?"

"Wenn Sie wüssten", hatte sie gesagt. "Das ist ein riesiger Kunstmarkt in Lahaina. Der zweitgrösste in den USA, gleich nach New York. Vor allem die Japaner kaufen dort alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Hauptsache, es ist bunt und teuer und hat einen Namen."

Und nun sassen wir im Flieger, Debbie und ich. Richtung Hawaii. Mit Zwischenstopp in Vancouver. Auf der Suche nach dem geheimnisvollen Informanten des IGEL. Der Mann, der zweimal die Nummer 78 besass.

"Sieh mal", sagte Debbie, "wir sind über dem Meer jetzt."

Ich beugte mich über sie und machte einen langen Hals. Es war nicht viel zu erkennen.

"Sag mal, Vivaldi", begann Debbie.

"Hm", sagte ich.

"Wenn wir jetzt den Informanten und über ihn den Fälscher herauskriegen, wie geht das dann weiter?"

"Wieso fragst du?"

"Weil uns das doch gar nichts nützt", sagte sie.

"Wie bitte?"

"Weißt du, Vivaldi", sagte Debbie, "manchmal bist du schon verdammt sperrig. Du würdest den Fälscher nie im Leben anzeigen oder sowas. Weil du damit Wieses Geschichte stützen und deinen eigenen Klienten in die besagte Pfanne hauen würdest. Und tätest du dieses? Mitnichten tätest du dieses. Also kannst du die Wahrheit wissen, so lange du Lust hast; es nützt dir nämlich wenig bis gar nichts. Du kannst es nämlich nicht an die Glocke hängen, weder an die grosse, noch an die kleine. Capito?"

"Du meinst, es hilft mir überhaupt nichts, wenn wir den Fälscher finden?"

"Natürlich nicht", sagte Debbie. "Dass die Grafiken falsch sind, weißt du ja schon. Jeder weiss das. Schliesslich stand es im IGEL. Und wer es gemacht hat, ist in diesem Zusammenhang ziemlich schnurzpiepegal."

"Hm", sagte ich und wurde zusehends aufgeregter. "Aber was zum Kuckuck machen wir dann hier? Warum sitzen wir dann hier im Flugzeug?"

"Weil ich", sagte Debbie fröhlich, "schon immer mal nach Hawaii wollte."





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