Wenn Du Oboe spielen möchtest, musst Du Dir über verschiedene Dinge von vornherein im Klaren sein: Oboe ist ein sehr schwieriges Instrument, weil Du einige körperliche Voraussetzungen mitbringen musst: z.B. brauchst Du ein absolutes Gehör . Nicht umsonst gibt die Oboe im Orchester den Kammerton A an, nach dem alle anderen Instrumente gestimmt werden. Der Kammerton A ist aber nicht auf der Oboe festgelegt, sondern muss in Deinem Inneren gehört werden und dann mit den Lippen und dem Atem auf 440 Hertz eingestimmt und geblasen werden. Weiterhin ist eine kräftige Konstitution notwendig. Du bläst einen Luftstrom durch eine kaum 2 mm große Öffnung durch das Rohrblatt („Mundstück der Oboe“) und erzielst damit eine Lautstärke, die gegen das ganze Orchester ankommt, denn normalerweise spielen dort nur zwei Oboen. Das bedeutet zunächst, dass Du eine gute Atemtechnik brauchst. In der Praxis übst Du zu Beginn Deines Oboespielens nur Atemtechnik, bis die Bauch- oder Zwerchfellatmung perfekt klappt. Übrigens entsteht hier auch das Vibrato und keinesfalls durch Lippenbewegungen, wie es schlechte Musiker oder Sänger oft praktizieren. In den ersten Wochen und auch später fängt jede Übungsstunde mit „Töne aushalten“ an. Hier werden die Kraft der Lippen, die das Rohrblatt umschließen, die Atemtechnik und die saubere Tonhöhe gleichzeitig trainiert. Wenn das in Fleisch und Blut übergegangen ist, werden Tonleitern gespielt; erst langsam, dann immer schneller und dann auch chromatisch, d.h. nacheinander von jedem Ton bzw. Halbton ausgehend. Das übt neben der Atemtechnik auch die Finger, die sich auf den sog. Klappen auskennen müssen. Die Oboe ist mit einer umfangreichen Klappentechnik ausgestattet, die nebst Lippen und Atem die Töne erzeugen. Diese Technik muss sorgfältig gepflegt und gewartet werden, um Störungen während des Spielens auszuschließen. Es bedarf also auch eines technischen Verständnisses, die Wartung der Klappen auf der Oboe durchzuführen. Ein weiterer Punkt ist die Herstellung des Rohrblattes. Zwar kann man dieses Blatt auch kaufen, aber ein guter Oboist wird seine Rohre immer selber herstellen. Denn es geht um Feinheiten: für hohe Töne bzw. dunkle Töne gibt es spezielle Rohre, die durch millimeterweises Schaben auf dem Holz des Rohrblattes die richtige Klangfarbe und das perfekte Ansprechen gewährleisten. Habe ich also Musikstücke, die sich überwiegend im Normal- bzw. tieferen Tonbereich abspielen, wähle ich das entsprechende Rohr. Geht es aber überwiegend in größere Tonhöhen, dann kommt ein anderes Rohr zu Einsatz. Bei schnellen Stücken wird ebenfalls ein spezielles Rohr eingesetzt und wenn es um getragene Kantilenen, also mehr mit dem Instrument „gesungene“ Passagen geht, kommt auch das dafür geeignete Rohr zum Einsatz. Daher hat jeder Oboist ein Kästchen mit verschiedenen Rohren dabei und tauscht während eines Orchesterstücks auch schon mal die Rohre entsprechend aus. Jetzt zum Üben: neben dem schon erwähnten „Töne aushalten“ geht es um mehrere Dinge beim Musizieren. Einmal ist die perfekte Technik wichtig, d.h. auch sehr schnelle Passagen müssen einwandfrei gespielt werden, ohne in Nöte zu kommen und damit Fehler zu machen. Es gibt in aller Regel nur eine Oboe I und eine Oboe II im Orchester, d. h. ich bin immer allein und kann mich nicht verstecken, wenn ich einen Fehler mache, und kann auch nicht, wie bei den Streichern, die immer zu mehreren sind, ein paar Takte überspringen, um wieder mitzukommen. Das bedeutet Üben, Üben und immer wieder Üben. Dann aber kommen auch die langsamen, getragenen Passagen. Diese zu spielen bedeutet hohe Musikalität, denn oft ist die Oboe hier führend, während das Orchester sich zurück hält. Oder es wird stellenweise nur mit einzelnen anderen Instrumenten zusammen gespielt; dann muss alles perfekt klappen. Hier ist ebenfalls der Atem entscheidend. Einmal muss er reichen, d.h. ich kann oft nicht atmen, wenn ich will, sondern muss den Atem einteilen, dass er über die Passage reicht. Andererseits beeinflusst auch die richtige Atemtechnik den Wohlklang der entsprechenden Passage, den Ausdruck und die musikalische Qualität, die den guten Musiker ausmacht.
Wer das alles mitmachen will und sich für Oboe spielen entscheidet, hat ein relativ selten gespieltes Instrument gewählt, wird sich fast immer in einer solistischen Position befinden und hat ein Instrument zur Hand, von dem er feststellen wird, dass es eine Seele hat und nur bei perfekter Einheit von Musiker und Instrument alles gibt.
Bild Oboe: "GNU Free Documentation License"
|