Vor dem Start der Andentour durch die drei Staaten Bolivien, Chile, Peru mussten wir unterschreiben, dass wir akzeptieren, dass es unterwegs keine Hilfe gibt, wenn ein Unfall passiert. Also volles Risiko, aber no risk, no fun. Na dann los, auf ins Abenteuer.
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Start war in La Paz. Diese Stadt liegt zwischen 3.200m und 4.100m Meereshöhe, d.h. wir Mitteleuropäer kriegen erst mal keine Luft und müssen uns an die Höhe akklimatisieren.
Die Piloten ziehen im Flieger bei der Landung Sauerstoffmasken auf, und wir stehen mit wackeligen Knien an der Zollkontrolle. Eine Einheimische empfiehlt mir, sofort Cocatee zu trinken; das sei hilfreich. Stimmt.
Die reichen Einwohner wohnen in dieser Stadt unten auf 3.200m, die Armen auf 4.200m. Sonst wohnen doch die Reichen immer oben, oder?
Wir holen die Motorräder ab, die als Enduros schon einige Touren hinter sich haben, was Spuren hinterlassen hat. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Durch La Paz im quirligen Verkehr durch und froh, das überstanden zu haben, dann außerhalb der Stadt weiter auf unbefestigten Straßen, Feldwegen oder sandigen Wüstenflächen.
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Aussicht auf der Hochfläche des Altiplano. Diese Hochfläche liegt auf ca. 3.600 m. Wir fragen uns,wo bekomme ich denn Benzin her, wenn ich mit der Enduro in dieser Gegend offroad unterwegs bin? Ganz einfach. In einer sog. Coffee Bar irgendwo unterwegs bekommt man Sprit, abgefüllt in alten 1,5 l Plastikflaschen, wenn man Glück hat. Das reicht dann bis zur Tankstelle im nächsten größeren Ort, die hoffentlich geöffnet hat.
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Indiofamilie, die am Wegrand lagert. Was diese Familie mitten in der endlosen Weite dort macht und warum sie dort lagert, ist mir bis heute ein Rätsel. Im Hintergrund sind Türme sichtbar, in der Tote die letzte Ruhe fanden. Durch die Öffnungen kann man noch die Skelettknochen sehen.
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Auf der weiten Fläche auf dem Weg zum Sajama, dem höchsten Berg Boliviens, sehen wir die Hütten der Einheimischen, die verlassen scheinen. Es ist absolut still und friedlich. Wir kommen näher und dann: die Hütten sind keineswegs verlassen, denn große Hunde greifen uns massiv an. Nur unsere Motorradstiefel und beherztes Treten mit ihnen nach den Hunden hilft uns, diese wegen Sturzgefahr üblen Situationen unbeschadet zu überstehen. Diese Angriffe verfolgen uns auf der ganzen Reise, denn die Hunde kennen hier keine Motorräder und wollen eigentlich nur die Hütten beschützen.
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Schon bald tauchte im Sajama National Park der Sajama (6542m) auf, der höchste Berg Boliviens und einer der höchsten Vulkane der Welt. Es ist ein erloschener Vulkan mit einer riesigen Eiskappe um den Gipfel.
Unterhalb des Vulkans ist unser Nachtlager auf 4200m Meereshöhe. Das ist ziemlich hoch und bedeutet nachts Kälte, denn wir schlafen in Zelten. Aber bevor wir da sind, müssen wir noch zwei Flüsse durchqueren. Zwar gibt es Furten, so dass die Durchfahrt möglich ist, aber wir wissen: ein Sturz ins eiskalte Wasser hätte böse Folgen. Also anhalten, durchschnaufen und los: 1. Gang, Vollgas, Aufstehen und im Stehen das auf den Steinen im Fluss bockende Motorrad ausbalancieren. Keine Angst, draufbleiben. Geschafft. Dann die zweite Durchfahrt, auch gut gegangen. Absteigen und gegenseitiges Schulterklopfen, denn alle sind durchgekommen. Wir sind froh, angekommen zu sein. Die Sonne geht unter, der Sajama steht majestätisch gegen den Abendhimmel. Es ist wirklich sehr kalt, auch die Zelte, die wir beziehen, bieten keinen wirklichen Schutz. Wir feiern mit den Einheimischen eine Zeremonie der Indios zur Ehre der Mutter der Erde, Paja mama. Hier werden Feuer entzündet und allerlei Zaubersprüche gesprochen und Opfergaben dargebracht. Mir ist eigentlich nach einem großen Schluck Schnaps, aber wir haben nichts dabei; also bleibt es bei heißem Tee. Nachts habe ich alles angezogen, was ich zur Verfügung habe. Auf meinem Rücken hat sich eine Reifschicht gebildet, ich zittere vor Kälte, habe Schüttelfrost und kann nicht schlafen. Es hat -14 °C im Zelt.
Dann muss ich nachts raus und vergesse augenblicklich mein Leiden: der Sajama steht vom Mondlicht angestrahlt vor mir, die gletscherbedeckten Vulkanflanken spiegeln das Licht wider und als Krönung steht direkt über dem Gipfel ein leuchtender Stern wie ein Diamant in einem Diadem. Ich kann mich nicht satt sehen an diesem wunderbaren Anblick, und ich glaube, mir sind Tränen in die Augen getreten.
Morgens finden wir ganz in der Nähe heiße Quellen. Es fällt zunächst schwer, sich auszuziehen, weil es immer noch unter Null Grad hat. Aber dann: der Sprung in das heiße Quellwasser gehört sicher zu einer meiner schönsten Erinnerungen an die Tour.
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Im Sajama National Park. Im Hintergrund die 6000er Berge, alles Vulkane. Hinreißend schön.
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Berge und Seen, ein wunderbarer Anblick. Es hat sogar rosa Flamingos in dieser Höhe; unglaublich, aber wahr.
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Pazifikstrand. Über 50 km Kilometer fahren wir am einsamen Pazifik-Strand offroad und sehen nur Millionen von roten Krebsen, die schnell im Sand verschwinden und einige tote Robben. Sonst niemand, keine Menschen oder sonstige Lebewesen. Nur manchmal greift ein Hund an, der über den Strand rennt. Erstaunlich, wie trostlos ein Strand sein kann....
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Hier bekommt man einen Eindruck von Straßen in den Anden, die nur aus Sand oder Schotter bestehen. Wenn man genau auf das Bild schaut, sieht man auf der oberen Straße einen Bus fahren. Diese Straßen ziehen sich hunderte von Kilometern durch die Berge und es ist sehr anstrengend, durch diese Gegend mit dem Motorrad zu fahren, weil man die Strecke bis zur nächsten Stadt, egal wie erschöpft man ist, durchhalten muss.
Hier versteht man auch, dass man auf eigene Gefahr fährt: Handy-Empfang, Hubschrauber, Krankenhäuser oder Rettungswagen gibt es nicht. Du bist auf dein Können, deine gute Kondition und dein Gottvertrauen angewiesen.
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Klosterzelle im Kloster Santa Catalina in Arequipa, Chile. So haben dort früher die Nonnen ihr klösterliches Leben geführt.
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Unterwegs, mitten auf der Hochfläche, verkaufen die Indios ihre z.T. selbst produzierten Waren und verdienen sich so ihren kargen Lebensunterhalt. Die Sachen sind von recht guter Qualität, ich benutze sie regelmäßig gern noch daheim, z.B. meinen Poncho.
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Weites Land in den Anden. Traumhaft schön.
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So sieht eine Raststätte in den Anden aus. Nach einer mehrstündigen Motorradfahrt ist man froh, wenn man an so einem Ort etwas zu essen und zu trinken bekommt. McDonalds hat es bis hierher noch nicht geschafft...
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Machu Picchu. Diese berühmte Inka-Stätte ist bekannt als legendäre Inkastadt, deren Gründung und Entdeckung nicht exakt zu bestimmen ist. Der Besuch ist ein prägendes Erlebnis, diese alte Kultur so hautnah zu erleben und in die Inkazeiten gleichsam einzutauchen.
Die Hinfahrt mit dem Zug war jedoch durch einen Erdrutsch auf die Gleise recht spektakulär; eine extra herangebrachte Mannschaft schaufelte barfuß die Gleise bei Kälte und strömendem Regen in mehreren Stunden frei. Respekt!
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Schwimmende Insel auf dem Titicaca-See. Das Schilf ist ca. 1 m dick und schwimmt tatsächlich auf dem See. Die Indios wohnen in Hütten und haben dort sogar Fernsehen (allerdings gut versteckt, um den Schein des traditionellen, natürlichen Lebens für Besucher nicht zu zerstören). Sie flechten alle möglichen Figuren aus Schilf, die sie an Touristen verkaufen. Ihre Boote sind ebenfalls aus diesem reichlich vorhandenen Material gefertigt und erstaunlich wendig und tragfähig.
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